Tophotel

Hotel als Reiseveranstalter. Interview von Mareike Knewitz

Das The Hearts Hotel im Harz erfindet sich neu

Die Coronakrise zwingt viele Hoteliers, neue Wege zu gehen. Meik Lindberg, Gründer und Geschäftsführer des The Hearts Hotel im Nationalpark Harz hat sich hierbei externe Hilfe gesucht. Über seine Neuausrichtung als quasi-Reiseveranstalter hätte er „vor acht Wochen noch gelacht“.

Tophotel: Herr Lindberg, musste das The Hearts Hotel im Zuge der Coronapandemie vorübergehend schließen?

Wir mussten erstmal all unsere Gäste nach Hause schicken und dichtmachen. Als wir uns vom ersten Schock erholten, haben wir eine Hilfsaktion gestartet: Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zuhause im Home-Office arbeiten konnten, erhielten die Möglichkeit, unsere Hotelzimmer zu nutzen. Wir haben die Zimmer mit Schreibtischen ausgestattet. Kostenlos konnten die Betroffenen dann bei uns bis zu fünf Tage wohnen und arbeiten. Vor allem kleine Startups haben das Angebot genutzt. Die Aktion läuft auch noch. Momentan sind zwei Zimmer belegt.

Wie war das Boutiquehotel vor der Krise ausgerichtet?

Das Hotel ist als Rückzugsort für die New-Work-Generation ausgerichtet und sollte auch für kleine Arbeitskreise, Startups und Strategiemeetings dienen. Im Fokus sind Menschen, deren Grenzen von Arbeit und Urlaub verschwimmen. Ein hochwertiges Design und funktionierendes Internet auf dem gesamten Resort ist für uns Standard. Was uns sicherlich künftig auch helfen wird, ist die Digitalisierung des Check-in-Prozesses. Zwei Tage vor der Anreise erhalten Gäste einen Link zum Online-Check-in – ähnlich wie bei Flugreisen. Auf einer Landingpage füllen sie dann ihre Daten aus, erhalten den Kurtaxe-Nachweis und können ihre Essensvorlieben nennen. Sie erhalten einen Anreiseplan und können so direkt auf ihr Zimmer gehen, ohne vorher sich an der Rezeption melden zu müssen. Die Zimmertür öffnen sie mit ihrem Smartphone. Damit entsteht ein kontaktloser Nutzungsbereich des Hotel Resort.


Wie sollte es strategisch mit Ihrem Boutiquehotel weitergehen?

Für diese Frage habe ich die Expertise von den Interim-Managern Peter Kuhle, Ulvi Aydin und Siegfried Lettmann hinzugezogen. Sie begleiten angezählte Unternehmen durch die Coronakrise. Ihre Unterstützung ist sehr hilfreich, da sie Erfahrung in Restrukturierung, Transformation und Turnaround aus unterschiedlichsten Branchen mitbringen und dadurch ein enormer Wissenstransfer entsteht. In Strategiegesprächen haben wir Themen identifiziert, auf die wir nun unseren Fokus legen: Veranstaltungen und Tagungen – und der Nahtourismus.

Den Boom von online-Meetings könnte man aus Sicht der Tagungshotellerie eher mit Sorge betrachten. Warum möchten Sie das The Hearts Hotel unter anderem ausgerechnet darauf ausrichten?

Das Thema Veranstaltungen wird schon bald ein sehr spannendes Thema – wie tagt Deutschland in Zukunft? Jetzt, wo vieles online geschieht und sich gleichzeitig die Auswahlkriterien für Tagungshotels verschieben: weg von Ballungsgebieten hin zu kleineren Hotels im Grünen. Meetings werden in hybrider Form stattfinden. Dabei sitzt eine Hälfte der Beteiligten zusammen im Konferenzraum, während die andere Hälfte per Video zugeschaltet ist. Im Vorteil sind diejenigen Hotels, die sich schon frühzeitig digital aufgestellt haben. Hierzu zählen wir uns. Kleingruppenmeetings mit genügend Abstand sind bei uns auch in Corona-Zeiten problemlos möglich. Unsere Veranstaltungsräume bieten die technische Infrastruktur für das hybride Meeting der Zukunft.

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